Mit Kindern im Wald

 

Was erleben die Kinder im Wald?

 

Oft wollen wir uns einfach nur bewegen: Wir klettern auf Baumstümpfe und Äste, balancieren auf umgefallenen Baumstämmen und "angeln" mit Stöcken im Bach. Wir spielen verstecken oder fangen, schleichen uns an, springen durch Pfützen oder "waschen" uns darin den Matsch von den Händen. 

 

Umgekehrt brauchen wir öfters auch einfach Ruhe & Meditation: Dann legen wir uns schon einmal auf den Waldboden und beobachten, wie sich die Baumwipfel im Wind bewegen, wie der Wind die Wolken weiter trägt oder wie sich unsere Bauchdecke beim Atmen rauf und runter bewegt. Im März halten wir unsere Ohren an die glatte Rotbuche und hören zu, wie die Säfte aus dem Boden hinauf zu den Knospen steigen. Oder wir stehen still im Wald und stellen uns vor, wir wären selbst ein Baum.

Immer wieder erleben wir den Wald mit allen fünf Sinnen: Zum Beispiel halten wir uns die Augen zu und ertasten die dicke, warme Rinde der Eiche und die glatte, kühle Rinde der Buche. Oder wir zerreiben die jungen Blättchen der Knoblauchrauke, schnuppern das Mandelaroma der Eberesche oder den Orangenduft der Douglasien-Nadeln oder riechen einfach am Bärlauch. Oder wir laufen einfach los und unsere Augen sehen "etwas Schönes" im Wald oder "etwas Rotes", etwas "Blaues", etwas "Hellgrünes". Gerne sind wir auch mal ganz still, damit unsere Ohren hören, was für Geräusche es im Wald außer Kinderstimmen noch so gibt. Im Frühjahr pflücken wir Löwenzahn und Brennesseln und lassen ihn uns später im Salat oder als "Spinat" schmecken.

Manchmal gehen wir auf Entdeckungsreise: Dann schauen wir zu, wie die Bucheckern Wurzeln schlagen und kleine Baby-Buchen wachsen, unterscheiden Taubnesseln von Brennesseln, beobachten den Farn, wie er sich im Frühling ausrollt und nach oben streckt. Besondere Attraktionen sind auch Fuchsbauten oder Mauselöcher. Immer wieder bestaunen wir ganze und angeknabberte Fichtenzapfen und raten, welche Tiere hier wohl gefrühstückt haben. Wir zählen - sehr grob - die Baumringe an abgeholzten Baumstämmen, begutachten die Muster unter den Baumrinden, die Käfer dort hinterlassen haben, oder finden heraus, warum Totholz im Wald liegen bleiben sollte. Im Herbst suchen wir Pilze - allerdings sicherheitshalber grundsätzlich, ohne sie anzufassen.

Auch Kunst kommt nicht zu kurz ("LandArt"): Wenn wir dazu Lust haben, legen wir kleine Kunstwerke aus Gänseblümchen, Steinen, Stöckchen und Blättern oder wir schmücken verdorrte Baumwurzeln mit Zapfen, Nüssen oder Kastanien (Baumgeister). Wenn der Waldboden nach einem Regen feucht genug ist, "kneten" wir daraus Waldmännchen.

 

So wird uns nie langweilig. Gründe NICHT in den Wald zu gehen oder früher nach Hause zu kommen, sind eigentlich nur Gewitter, Hagel, Sturm oder Temperaturen unter -5°C im Winter. Dann kochen wir eben mehr...

"Gibt es ein schöneres Geschenk an Mutter Erde, als dass wir unsere Kinder wieder zu ihr bringen?"

 

Zitat eines Mannes nach vier Fastentagen und -nächten im Wald